Neunter Rang für österreichisches Madison-Duo am Schlusstag der Bahn-WM in Shanghai

Text: Peter Maurer / Fotos: Arne Mill
Mit dem 24-jährigen Wiener Maximilian Schmidbauer und dem 18-jährigen Kärntner Heimo Fugger setzte Österreichs Nationaltrainer Andreas Graf am Schlusstag der Bahn-Weltmeisterschaften in China auf die jüngste Paarung im gesamten Madison-Feld, aber das rot-weiß-rote Duo zeigte eine tolle Leistung und beendete das Rennen auf Rang neun.
Neben einigen Punkten bei Zwischensprints konnten sie auch eine Plusrunde herausfahren in dem mit Topstars gespicktem Feld. “Es ging eigentlich von Beginn an richtig gut und wir konnten uns gleich gut positionieren. Am Ende sind uns in den letzten 40 Runden ein wenig die Beine aufgegangen“, berichtete Schmidbauer, der vor fünf Jahren bei den Weltmeisterschaften in Roubaix sein WM-Debüt gab. Mittlerweile hat der Wiener seine vierten Titelkämpfe in den Beinen, stand auch in Paris im elitären Olympiafeld im Madison.
Zum ersten Mal bei einer Großveranstaltung fuhr er gemeinsam mit Fugger. “Ich bin echt beeindruckt, wie er sich als Erstjähriger schon in diesem Feld bewegen kann“, erklärte der Wiener und sprach damit an, dass Fugger im Winter aus dem Juniorenbereich in die Elite aufstieg. Der junge Kärntner, der vor wenigen Tagen Zehnter im Punktrennen wurde, ging entspannt in das hektische Rennen über 200 Runden, wo zwei Athleten sich regelmäßig mittels Schleudergriff abwechseln und um Zwischensprints und Rundengewinne kämpfen.
“Die ersten fünf Runden waren okay, dann ging es aber durchgehend Vollgas bis zum Zielstrich. Du spürst das Niveau extrem, aber wir können sehr glücklich sein. Wir haben unser Ziel erreicht und hätten mit ein bisschen mehr Leistung sogar noch deutlich mehr erreichen können“, meinte Fugger und sprach die vier fehlenden Zähler an, welche sie auf Großbritannien, Neuseeland und die Niederlande an Rückstand hatten, drei der großen Bahnnationen.
“Im Endeffekt ist das ein Sprint mehr und wir könnten Sechster werden. Aber solange du nicht gewinnst, findest du auch immer was zu verbessern“, meinte Fugger. Das Duo legte mit der guten Platzierung in den Top Ten einen ersten Grundschritt für die Olympiaqualifikation. Denn das Rennen in Shanghai war das erste von zehn zur Qualifikation zählenden Rennen. “Den Weg haben wir jetzt eingeschlagen, müssen aber auch genau so weitermachen“, fügte Schmidbauer an.
Mit Tim Wafler war am Schlusstag noch ein weiterer Österreicher im Einsatz. Er belegte im Ausscheidungsrennen Rang elf. “Das Rennen war ganz okay, leider habe ich einen kleinen Fehler gemacht und damit war ich raus. Es war nicht meine WM, ich war sicher besser drauf als die Ergebnisse es zeigen. Dennoch war die Vorbereitung sehr gut und blickt man auf die gesamte Teamleistung, so können wir stolz auf uns sein. Fehlte im letzten Jahr noch etwas, so sind wir alle vier Fahrer wieder an der Weltspitze dran“, analysierte der Wiener.
Das beste Ergebnis der Titelkämpfe holte Raphael Kokas mit Rang sieben im Scratch, aber auch das Madison-Duo landete mit Rang neun in den Top Ten wie auch Fugger im Punkterennen. Tim Wafler beendete das Ausscheidungsrennen als Elfter und belegte Platz 13 im Omnium. “Das angepeilte Ziel waren die Top Ten, was wir in drei Disziplinen erreicht haben und zwei Mal nur knapp verpasst haben. Wir haben wieder einen Schritt gemacht. Blickt man auf die 16 qualifizierten Teams im Madison-Finale, so zeigt sich aber auch unser größtes Manko. Wir sind die einzige Nation ohne eigener Radhalle, ohne richtigem Trainingsstützpunkt“, so der Nationaltrainer.
Ergebnisse:
Madison:
1. Dänemark
2. Portugal
3. Deutschland
9. Österreich
Ausscheidungsrennen:
1. Tim Torn Teutenberg (GER)
2. Tobias Hansen (DEN)
3. Jules Hesters (BEL)
11. Tim Wafler (AUT)
Platz 13 für Tim Wafler im Mehrkampf
Sein erstes großes Rennen seit den letzten Weltmeisterschaften bestritt Tim Wafler mit dem Omnium bei den aktuellen Titelkämpfen in Shanghai. Zuerst warf ihn eine Infektion zurück, weswegen er die Europameisterschaften sowie die Weltcups in diesem Jahr verpasste, dann folgte noch ein Sturz bei der Österreich-Rundfahrt. Dennoch schaffte er es für das Bahn-Saisonhighlight wieder in Form zu kommen und landete im Mehrkampf der Ausdauerfahrer auf Rang 13.
"Es sind gemischte Gefühle, weil ich den Wettkampf nicht gut begonnen habe und jetzt auch nicht gut aufgehört habe. Die zwei Disziplinen dazwischen waren okay, aber momentan überwiegt einfach der Ärger, weil ich eben im letzten Sprint noch eine Position verloren, eigentlich hergeschenkt habe", analysierte der Wiener, auf den ein langer Tag im Velodrom von Shanghai am Samstag wartete. Gleich vier verschiedene Ausdauerdisziplinen, das Scratch, die Elimination, das Temporennen sowie das abschließende Punkterennen, bilden den Mehrkampf, das Omnium.
"Es war mein erstes großes Rennen seit Chile. Ich konnte zeigen, dass ich wieder angekommen bin, wenn auch noch nicht in der oberen Weltspitze, wo ich mich vor zwei Jahren schon gesehen habe", schilderte Wafler, der sich nach seinem Einsatz vor allem über die Fehler ärgerte, die ihm im ersten und im abschließenden Rennen unterliefen: "Es waren fast Anfängerfehler, die ich gemacht habe im Scratch und im Punktrennen. Der Rest war okay, aber so kannst du deine Ziele auch einfach nicht erreichen. Ich wollte in der Olympischen Disziplin Omnium in die Top zwölf kommen."
Am Sonntag, dem Schlusstag der Weltmeisterschaften in China, steht er bei seiner insgesamt fünften WM-Teilnahme im Ausscheidungsrennen, der Elimination, noch einmal am Start. Auf Heimo Fugger und Maximilian Schmidbauer wartet das Zweiermannschaftsfahren, das Madison.
Ergebnis:
1. Iuri Leitao (POR)
2. Fabio van den Bossche (BEL)
3. Tim Torn Teutenberg (GER)
13. Tim Wafler (AUT)
Zehnter Platz für Heimo Fugger im Punkterennen
Sein WM-Debüt in der Elite gab der Kärntner Heimo Fugger beim Punkterennen der Männer bei den Bahn-Weltmeisterschaften in Shanghai und der 18-Jährige landete als Zehnter in den Top Ten. Gold ging an den Briten Mark Stewart vor dem Omnium-Olympiasieger Benjamin Thomas aus Frankreich, Bronze holte der Portugiese Carlos Salgueiro.
"Die Top Ten waren das Ziel und wenn ich ein bis zwei kleinere Dinge anders gemacht hätte, dann wäre sogar ein wenig mehr möglich gewesen. Es konnte sich aber sehen lassen", strahlte Fugger nach seinem WM-Debüt, in dem er sich auch sehr aktiv zeigte und immer wieder aus verschiedenen Konstellationen heraus einen Rundengewinn versuchte.
"Es hat sich schnell angefühlt, wir waren zweimal gut auf eine Runde unterwegs, aber sie ist sich leider nicht ausgegangen. In Summe war es nicht so schlecht", meinte der Kärntner, der zum allerersten Mal bei einer Elite-WM am Start stand. 2024 wurde er Europameister bei den Junioren in dieser Disziplin, holte wenig später im Scratch bei den Weltmeisterschaften dieser Altersklasse die Silbermedaille.
In diesem Jahr gewann er mit Raphael Kokas die Goldmedaille bei den U23-Europameisterschaften im Madison und Silber im Ausscheidungsfahren. Dennoch wusste er nicht, was ihm bei seinem Elite-Debüt auf der ganz großen Bühne erwarten würde: "Es war ein wenig ungewiss vor dem Debüt, aber das Rennen hat mir gezeigt, dass ich mitfahren kann." Am Sonntag bestreitet er dann noch mit Maximilian Schmidbauer das Madison, am Samstag ist Tim Wafler für das rot-weiß-rote Team im Omnium im Einsatz.
Ergebnis:
1. Mark Stewart (GBR)
2. Benjamin Thomas (FRA)
3. Carlos Salgueiro (POR)
10. Heimo Fugger (AUT)
Siebter Rang für Raphael Kokas im Scratch-Rennen
Einen starken Auftakt bescherte der 21-jährige Raphael Kokas dem österreichischen Team bei den Bahn-Weltmeisterschaften im Shanghai-Velodrom. Der Wiener belegte im Scratch-Rennen der Männer den siebten Platz am Donnerstag. Der Sieg ging an den Briten Matthew Bostock, der sich nach einem erfolgreichen Ausreißversuch vor dem Neuseeländer Tom Sexton und dem Belgier Lindsay De Vylder durchsetzte.
In der dahinter folgenden Gruppe sprintete Kokas um Rang vier, landete nur wenige Meter hinter dem Australier Thomas Cornish, dem Niederländer Yanne Dorenbos und dem Deutschen Tim Torn Teutenberg auf der siebten Position. “Es war ein sehr gutes Rennen und ich bin sehr zufrieden. Ich wollte in die Top acht kommen und habe mein Ziel erfüllt. Vielleicht wäre sogar noch ein wenig mehr drinnen gewesen, weil ich ja nicht weit weg von Platz vier war“, schilderte der junge Wiener, der sein bislang bestes WM-Ergebnis, einen zehnten Platz im Ausscheidungsrennen 2023 in Glasgow, übertraf.
Die 40 Runden absolvierte das Feld mit einem Schnitt von 56,7 Kilometer pro Stunde, wobei das Rennen immer wieder von langsameren Phasen gezeichnet war. “Für uns als junges Team war es auch wichtig, dass wir mit einem guten Ergebnis hier reinstarten. Denn gelingt uns das, dann laufen auch die anderen Rennen lockerer“, meinte Kokas, der sein Ergebnis auch als Push für die weiteren rot-weiß-roten Einsätze sieht. Am Freitag ist dann Heimo Fugger im Punkterennen im Einsatz. Der 18-jährige Kärntner gibt dort sein Debüt in der Elite.
Ergebnis:
1. Matthew Bostock (GBR)
2. Tom Sexton (NZL)
3. Lindsay De Vylder (BEL)
7. Raphael Kokas (AUT)

























