Paracycling-Weltmeisterschaften enden mit einmal Gold und einmal Bronze für Cycling Austria
Text und Fotos: Peter Maurer
Die Weltmeisterschaften im Paracycling auf der Straße finden in Huntsville in Alabama statt. Von 4. - 7. September kämpfen die besten Athletinnen und Athleten um die begehrten Regenbogentrikots. Schon am ersten Tag gab es für das rot-weiß-rote Team zwei Medaillen mit Gold für Thomas Frühwirth und Bronze für Cornelia Wibmer. Es folgten dann noch mehrere Topergebnisse, auch zwei vierte Plätze in den Straßenrennen.
Plätze 15 und 16 für Daniel Ganahl und Franz-Josef Lässer im Straßenrennen
Ein schnelles Spektakel boten die Männer der C5-Klasse zum Abschluss der Paracycling-Weltmeisterschaften in Huntsville in den Vereinigten Staaten. Mit einem Schnitt von 45,1 km/h absolvierten sie die 82,8 Kilometer Gesamtdistanz. Das harte Ausscheidungsrennen sicherte sich überraschend der Franzose Elliot Pierre aus einer kleinen Gruppe. Dem hohen Tempo Tribut zollen mussten Daniel Ganahl und Franz-Josef Lässer, die auf den Rängen 15 und 16 landeten nach sehr aktiven Fahrten.
"Es war brutal von der Hitze und vom Tempo her. Immer wieder hat es das Feld zerrissen“, berichtete Ganahl, der bis zur letzten Runde den Anschluss an die vorderste Gruppe hatte. Doch als diese das Finale eröffnete, waren die Kräfte des Vorarlbergers aufgeraucht: “Ich war dann komplett leer und musste sie ziehen lassen. Dennoch bin ich zufrieden mit meiner WM-Premiere, vor allem mit dem Zeitfahren. Für das Straßenrennen braucht es noch Erfahrung, auch in der Einteilung mit den vielen Attacken, die da immer gefahren werden. Natürlich ist das flache Terrain auch nicht so meines.“
Sein Teamkollege Lässer landete einen Rang hinter ihm. “Ich habe immer wieder Lücken schließen müssen, auch selbst was probiert. Doch leider hat es mir den Stecker vorzeitig gezogen“, schilderte der Steirer, der rund zwei Runden vor dem Ende aus dem Hauptfeld zurückfiel und dann das Rennen allein beendete. “Das Straßenrennen ist halt immer sehr chaotisch, am Ende war es ein sehr überraschendes Rennen und fast alle Favoriten sind leer ausgegangen“, analysierte Lässer.
Ergebnis Straßenrennen Männer C5:
1. Elliot Pierre (FRA) 1:50:09 Stunden
2. Carlos Andres Vargas Villanueva (COL) + 0:00
3. Dorian Foulon (FRA) s.t.
15. Daniel Ganahl (AUT) + 1:25
16. Franz-Josef Lässer (AUT) + 7:53
Zwei ärgerliche vierte Plätze für Österreichs Para-Team in den Straßenrennen
Am Sonntag warteten die Straßenrennen im Handbike bei den Weltmeisterschaften im Paracycling in Huntsville in den Vereinigten Staaten. Thomas Frühwirth, Alexander Gritsch und Cornelia Wibmer zeigten gute Rennen, waren aber nicht wirklich vom Glück verfolgt. So wurde der Zeitfahrweltmeister Frühwirth wegen eines angeblich irregulären Sprints vom Podium relegiert und Wibmer verpasste leider die entscheidende Gruppe. Am Ende landeten beide auf dem vierten Platz.
"Grundsätzlich ist mir die Entscheidung egal, weil ich habe 15 Medaillen schon gewonnen bei Weltmeisterschaften. Sportlich finde ich es komisch, weil ich bin die letzten fünf Kilometer von vorne gefahren. Wenn ich dann nicht das Recht habe, im Sprint die kürzeste Linie zu fahren, dann weiß ich es nicht", schilderte Frühwirth, der mit dem Schweizer Fabian Recher im Finale etwas aneinandergeriet, der von hinten den Österreicher versuchte zu überholen und mit ihm leicht kollidierte.
"Ich schaue doch nicht in den Rückspiegel ob jemand hinter mir ist, der daran denkt mich zu überholen. Das ist schon komisch und hat mit Sport wenig zu tun", meinte Frühwirth zu der etwas eigenen Auslegung der Jury im Zielspurt. Er hatte das Rennen der Klasse H4 die meiste Zeit, vor allem auch die letzten Kilometer angeführt und den Sprint von vorne eröffnet: "Wenn wir uns nicht berühren, hole ich vielleicht noch Gold. Das war keine gute Auslegung der Regeln heute, aber so ist es halt."
Gold ging an den Briten Callum Russell, der Schweizer Recher rutschte auf den Silberrang vor dem Franzosen Thomas Fritsch, der Bronze erbte. Frühwirth wurde auf dem vierten Rang, den letzten der um den Sieg sprinteten Gruppe zurückversetzt. Nachdem er zwischendurch schon fast zwei Minuten zurücklag, schaffte Alexander Gritsch es in der letzten Runde nochmals in die große Spitzengruppe zurück.
Dem Tiroler fehlten aber dann auf der ansteigenden Zielgeraden die entscheidenden Körner für ein noch besseres Ergebnis als den achten Rang: "Wenn du Medaillen schon gewonnen hast, dann zählt der achte Platz jetzt nicht mehr so viel. Aber es war ein geiles Rennen, als wir wieder zur Spitze aufschlossen, schoss es mir eiskalt durch den Körper. Es ist ein gutes Gefühl, wenn du wieder um Medaillen kämpfen kannst, aber leider war mein Tank am Ende zu früh leer."
Auch die Salzburgerin Cornelia Wibmer fuhr im Rennen der Frauen der Klasse H4 lange einen Rückstand nach. Bei den Frauen fahren die Wertungsklassen H3, H4 und H5 gemeinsam, werden dann aber getrennt gewertet. Wibmer fiel früh zurück, jagte dann einer großen Gruppe nach, kam aber allein nicht mehr an diese ran. "Das Rennen ist leider nicht so verlaufen, wie ich das wollte. Ich bin früh abgerissen und konnte die Lücke nicht mehr zufahren. Ich habe mich gut gefühlt und das hat mich dann wahnsinnig geärgert, weil ich komplett alleine der Spitzengruppe nachjagte, aber nicht mehr rankam", bilanzierte die Bronzemedaillengewinnerin im Einzelzeitfahren.
Ergebnisse der Handbike-Straßenrennen:
Männer H4:
1. Callum Russell (GBR) 1:39:32 Stunden
2. Fabian Recher (SUI) + 0:00
3. Joseph Fritsch (FRA) s.t.
4. Thomas Frühwirth (AUT) s.t.
8. Alexander Gritsch (AUT) + 0:33
Frauen H4:
1. Sandra Fuhrer (SUI) 1:30:47 Stunden
2. Emelia Perry (USA) + 4:44
3. Kristina Madajova (SLO) + 4:44
4. Cornelia Wibmer (AUT) + 6:40
Franz-Josef Lässer wird Fünfter, WM-Debütant Daniel Ganahl Elfter
Als Titelverteidiger ging der Steirer Franz-Josef Lässer am Samstag in Huntsville in den Vereinigten Staaten in das Einzelzeitfahren der Weltmeisterschaften im Paracycling der Klasse C5. Als Letzter startete er in das Rennen, beendete die erste Runde als Fünfter und schloss auch nach 29,2 Kilometer mit diesem Rang ab.
"Es war eine solide Leistung, eigentlich genau das, was ich noch im Tank hatte", meinte Lässer, der vor wenigen Monaten im Zeitfahren Europameister wurde und zuletzt einen neuen Stundenweltrekord setzen konnte. Vor zwei Wochen zog er sich einige Blessuren bei einem Bahnsturz zu, weshalb er auch in den Vereinigten Staaten erst wieder in der Zeitfahrposition richtig trainieren konnte.
"Du kannst auch nicht auf jeder Party tanzen", meinte Lässer dazu, dem kurz nach dem Start auch die Wattkurbel ausfiel und er ohne Leistungsdaten fahren musste. "Ich lasse mich da auch nicht aus der Ruhe bringen, habe gedacht Remco Evenepoel ist ja auch ohne diese Infos Weltmeister in Zürich geworden", berichtete der Steirer, der aber dann die weltmeisterliche Pace nicht fand im Gegensatz zum Amerikaner Elouan Gardon, der mit 20 Jahren und einem Schnitt von 51,53 km/h ins Regenbogentrikot fuhr.
"Am Ende hat auf das Podium nicht so viel gefehlt", meinte Lässer, der 2:21 Minuten langsamer war als der Sieger, aber nur 16 Sekunden als der Drittplatzierte Lauro Cesar Mouro Chaman aus Brasilien. Lässers Landsmann Daniel Ganahl, der zum ersten Mal bei Weltmeisterschaften am Start stand, landete auf dem elften Rang.
"Mit der ersten Runde bin ich echt zufrieden, in der zweiten bin ich dann so eingegangen", berichtete der Vorarlberger, der sichtlich seine Mühe hatte mit den heißen Temperaturen und vor allem der hohen Luftfeuchtigkeit in Alabama. Als Achter hatte er die erste Runde beendet, fiel aber noch knapp aus den Top Ten am Ende.
"Die Hitze hat zwar so geknallt, aber grundsätzlich bin ich zufrieden für die erste WM. Ich bin ziemlich in der Mitte des Feldes gelandet und darauf kann man aufbauen", schilderte der Montafoner, der am Montag noch mit Lässer im Straßenrennen im Einsatz ist.
Ergebnis Einzelzeitfahren Männer C5:
1. Elouan Gardon (USA) 33:59.81 Minuten
2. Daniel Abraham (NED) + 1:24
3. Lauro Cesar Mouro Chaman (BRA) + 2:05
5. Franz-Josef Lässer (AUT) + 2:21
11. Daniel Ganahl (AUT) + 3:25
Thomas Frühwirth gewinnt Gold, Cornelia Wibmer Bronze
Am Freitag wurden die Wettbewerbe um die begehrten Regenbogentrikots eröffnet bei den Weltmeisterschaften im Paracycling und im Zeitfahren der H4-Männer konnte der Steirer Thomas Frühwirth seinen Titel verteidigen. Zum dritten Mal im Folge darf er sich Weltmeister im Kampf gegen die Uhr nennen. Sein Teamkollege Alexander Gritsch wurde starker Sechster. Bei den Frauen der H4-Klasse landete die Salzburgerin Cornelia Wibmer auf dem dritten Rang und sicherte sich damit Bronze.
“Ich konnte abliefern“, strahlte Frühwirth nach dem Sieg. Wieder einmal konnte der 45-Jährige die deutlich jüngere Konkurrenz in die Schranken weisen. Bei warmen Temperaturen und einer hohen Luftfeuchtigkeit drehte der Steirer vor allem in der zweiten Runde richtig auf und brauste mit einem Schnitt von fast 45 km/h souverän zu seiner dritten Goldmedaille in Folge im Zeitfahren.
“Schon in den letzten Wochen haben ich meine besten Trainingsleistungen aller Zeiten abgeliefert. Die Konkurrenz wird immer stärker und da muss ich dagegenhalten. Ich wusste, es wird für eine Medaille reichen, dass es wieder Gold wird, ist ein Traum“, schilderte der Steirer. Sein Tiroler Teamkollege Alexander Gritsch wurde Sechster, ihm fehlte ein bisschen mehr als eine halbe Minute auf das Podium.
“Mit meiner Leistung bin ich sehr zufrieden. Natürlich hatte ich irgendwie gehofft, dass vielleicht sogar der Sprung aufs Podium noch einmal klappt, aber dafür waren die anderen einfach besser. Besonders in der zweiten Runde habe ich gelitten, wie die meisten Athleten. Was Tom da heute wieder abgezogen hat, war einfach sensationell“, erzählte der Tarrenzer.
Für die zweite rot-weiß-rote Medaille sorgte Wibmer bei den Handbikerinnen der Klasse vier. Obwohl sie das ganze Rennen mit Schaltungsproblemen zu kämpfen hatte, landete sie noch am Podium. 1:06 Minuten betrug ihr Rückstand auf die souveräne Siegerin Emelia Perry aus den Vereinigten Staaten. “Sie hätte ich auch ohne die Probleme nicht erwischt, aber vielleicht wäre Silber drinnen gewesen für mich“, so die Salzburgerin, die hinter der Schweizer Sandra Fuhrer den dritten Rang belegte.
Ergebnisse Einzelzeitfahren Handbike:
Klasse H4 Männer:
1. Thomas Frühwirth (AUT) 39:11.50 Minuten
2. Callum Russell (GBR) + 0:40
3. Joseph Fritsch (FRA) + 0:54
6. Alexander Gritsch (AUT) + 1:37
Klasse H4 Frauen:
1. Emelia Perry (USA) 23:05.35 Minuten
2. Sandra Fuhrer (SUI) + 0:55
3. Cornelia Wibmer (AUT) + 1:06



